Klemms, Leipziger Straße 57/58, 10117, Berlin
12. Juni 2026 – 24. Juli 2026
Semmer erforscht komplexe soziale Topographien alltäglicher Gewalt und Häuslichkeit und konstruiert atmosphärisch aufgeladene Gemälde, die auf die Schwelle zwischen Bedrohung und Empathie verweisen. Sie synthetisiert eine Vielzahl von Motiven und Quellen – von Archivmaterial bis hin zu Filmstills, KI-generierten Bildern und persönlichen Fotografien – und verwandelt alltägliche Situationen in Phasen der Spannung, in denen fiktive Landschaften mit Mehrdeutigkeit und offenen Assoziationen zusammengefügt werden. Semmers Interesse an Bildern wurzelt in ihrer Fähigkeit, sowohl zu vermitteln als auch zu verbergen. In ihrer weiten Landschaft von Räumen und Objekten koexistieren anonyme und biografische Referenzen, die alle durch ihren unverwechselbaren Malstil formal vereint sind. Sand ist eine ständige Präsenz in ihren Kompositionen – ein konzeptuelles Instrument, das es ihr nicht nur ermöglicht, über die Konventionen von Fotografie und Malerei hinauszugehen, sondern auch ihre vielfältigen visuellen Welten in einem verschwommenen, atmosphärischen Terrain zusammenbringt, in dem Stimmung und Affekt in den Vordergrund treten. Dabei erforscht sie Fragen der Authentizität durch atmosphärisch aufgeladene Bilder. Letztlich spielt Semmer mit dem Begriff der Vertrautheit, indem sie relatable Alltagsgegenstände und Szenarien in den fiktiven Bereich porträtiert und ergreift. Sie betont, spekuliert, enthüllt versteckte Gesten unter der Banalität: Kinder in ihren Zimmern, Kühe in einem Stall, Sträucher in der Nacht im Park. Banalität als Geheimnis bedeutet: Alles, was man erkennt, ist plötzlich undenkbar. Kann eine abstrakte Verflechtung von Linien, die sich kreuzen, überlappen und verflechten, der Beweis für einen Unfall, vielleicht ein Verbrechen sein? Kann es eine Situation der Not offenbaren, in der der Blitz als Hilferuf verwendet wurde? Oder kann der Blitz nur als Taschenlampe verwendet werden? Vor allem stellt sich die Frage, wie die Erkennung – und insbesondere die Bilderkennung in Zeiten der Bildüberlastung – zu einer spekulativen Übung werden kann. Durch die Gegenüberstellung unterschiedlicher Bildwelten bringt Semmer die Schwelle zwischen Unheimlichem und Häuslichem an die Oberfläche und bildet ein Spannungsfeld, in dem ruhige Szenen zu Anrufung und Rätsel verzerren.